Schwimmausbildung

(C) Andrea Bowinkelmann (Bilddatenbank LSB NRW)

Für viele Menschen ist das Schwimmen Lernen und Schwimmen Können gleichbedeutend mit dem Seepferdchen-Abzeichen. Doch dies greift eindeutig zu kurz.

Die Schwimmausbildung muss vielmehr als der gesamte Prozess von den ersten Erfahrungen mit und im Wasser bis hin zum Erlernen einzelner Schwimmarten betrachtet werden. Und dies kann eben nicht in Form eines einmaligen Schwimmkurses von vielleicht 12 Wochen erfolgen.

Schwimmausbildung beginnt bereits im Säuglings- und Kleinkindalter. Ob in speziellen Kursen, im Familienverbund im öffentlichen Schwimmbad oder zuhause in Badewanne und Dusche kann Wasser von Kindern und Eltern als Bewegungsraum und neues Element mit Freude erfahren und bereits viel für die ganzheitliche motorische, soziale und psychische Entwicklung und das gesunde Aufwachsen von Kindern getan werden.

Darauf kann im Kitaalter mit einer gezielteren Wassergewöhnung aufgebaut werden. Die physikalischen Eigenschaften des Wassers kennenlernen, Wasser am eigenen Körper und Auftrieb und Widerstand im Wasser spüren, das alles gehört zur Schwimmausbildung dazu und kann bereits im Elternhaus oder in der Kita im Planschbecken und Pool oder auch ganz kleinen Wasserflächen wie Wasserschüsseln, Eimern und Waschwannen eingeleitet und durch gezielte Angebote in oder mit Schwimmvereinen und -schulen ausgebaut werden.

Für Vorschulkinder kommt die Wasserbewältigung und damit das spielerische Erlernen der schwimmerischen Grundfertigkeiten (Atmen, Tauchen, Springen, Gleiten, Antreiben, Rollen und Drehen) dazu. Bis hierhin spielen genormte Schwimmstile und -bewegungen noch überhaupt keine Rolle. Vielmehr sind ein souveräner und furchtloser Aufenthalt im Wasser und ein vielseitiges Wasserbewegungsgefühl das Ziel. Erst nach Abschluss dieser Phase der Wasserbewältigung und wenn die Kinder eine entsprechende Sicherheit und Orientierungsfähigkeit im und unter Wasser sowie ein Gefühl für die eigene Lage im Wasser entwickelt haben, sollte ein methodisches Erlernen von Schwimmbewegungen erfolgen, wobei auch hier noch keine Festlegung auf eine Schwimmart erfolgen muss. Vielseitige Kombinationsformen von Arm- und Beinbewegungen erweitern das Bewegungsrepertoire der Kinder und ermöglichen bereits eine effektive Fortbewegung im und unter Wasser. Das Erreichen von Zwischenzielen kann dabei durchaus bereits mit „Schwimmabzeichen“ dokumentiert werden. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von aufeinander aufbauenden „Motivationsabzeichen“, die das klassische „Seepferdchen“ ergänzen oder ersetzen und verschiedene Fertigkeitsstufen dokumentieren.

Wenn Kinder diesen Prozess mit Freude und im individuellen Tempo ohne Druck von Eltern und Übungsleitungen durchlaufen können, werden sie, sobald die koordinativen Voraussetzungen dazu bestehen, auch die klassischen Schwimmarten (Rücken, Kraul, Brust und Delphin) erlernen und weitergehende Schwimmabzeichen, die die Schwimmfähigkeit auch über längere Strecken und weitere Fertigkeiten dokumentieren, erreichen können.

Wichtig in allen Phasen der Schwimmausbildung sind Geduld, geeignete Rahmenbedingungen, die Möglichkeit zur Wiederholung und Vertiefung sowie die Achtung der Individualität jedes Kindes.

Als dsv-jugend möchten wir erstens bei Eltern, Vereinen und in Bildungseinrichtungen Bewusstsein für diesen langfristigen Lernprozess der Bewegung im Wasser schaffen, zweitens Kursleitungen ausbilden, die den Rahmen und die Unterstützung für diesen Prozess bieten und eine qualitativ hochwertige Bewegungsausbildung für Kinder im Wasser umsetzen und drittens über unsere Zertifizierung Organisationen auszeichnen, die eine solch qualitativ hochwertige Schwimmausbildung sicherstellen. Denn nur eine Schwimmausbildung, die mit Spaß und positiven Bewegungserfahrungen verbunden ist, eröffnet eine langfristige Bindung an den Bewegungsraum Wasser mit all seinen vielfältigen Möglichkeiten.